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Positive Tourismusentwicklung und der Umgang mit dem Schattenwurf

Spiez verzeichnet einen regelrechten touristischen Höhenflug. Das ist erfreulich, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Gemeinde und Tourismusorganisationen gehen die Herausforderungen gemeinsam an und setzen schon im laufenden Jahr Massnahmen um.

Spiez verzeichnet einen regelrechten touristischen Höhenflug. Das ist erfreulich, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Gemeinde und Tourismusorganisationen gehen die Herausforderungen gemeinsam an und setzen schon im laufenden Jahr Massnahmen um. 

Spiez ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mit Ausnahme des Corona-Tauchers 2020 steigen die Übernachtungen seit 2014 kontinuierlich an und bewegen sich auf historischem Höchstniveau. Die Entwicklung bei den Tagestouristen, genaue Zahlen können nicht erhoben werden, dürfte ähnlich nach oben zeigen. Der florierende Wirtschaftszweig Tourismus generiert direkte Wertschöpfung bei den Hotels, Restaurants, touristischen Leistungserbringern und beim Detailhandel. Tourismusverbundene Branchen profitieren durch indirekte Wertschöpfung. So weit, so gut, könnte man meinen. 

«Fast», meint Stefan Seger, Geschäftsführer der zuständigen Tourismusorganisation. «Die hohen Touristenströme sorgen ab und zu bei Leistungsträgern und der Bevölkerung für Unmut.» An beliebten Ausflugszielen kommt es zu bestimmten Zeiten zu Engpässen oder die Gäste ecken mit ihrem Verhalten bei Leistungsträgern und Einwohnenden an. Die Spiezer Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner ergänzt: «Aufgrund der stark angestiegenen Übernachtungszahlen in der Parahotellerie, lässt sich vermuten, dass Wohnungen in Ferienwohnungen umgenutzt werden, was den verfügbaren Wohnraum für Einheimische senkt. Deshalb hat der Grosse Gemeinderat auf Antrag des Gemeinderates ein Postulat überwiesen, das die Prüfung einer Planungszone «Beschränkung Zweitwohnungen und kurzzeitige Vermietung» verlangt. Der Gemeinderat nimmt sich dem Thema an und erwägt, ob die Planungszone das geeignete, rechts- und verhältnismässige Instrument darstellt.» 

Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, beauftragte der Gemeinderat die Spiez Marketing AG (SMAG) letzten Frühling mit der Bildung einer Arbeitsgruppe. Das Ziel ist, mögliche, durch den Tourismus verursachte Herausforderungen zu identifizieren und Gegenmassnahmen einzuleiten. Die Arbeitsgruppe mit Vertretungen aus Politik, Wirtschaft, Einwohnerschaft, und touristischen Leistungsträgern, hat Herausforderungen identifiziert und Lösungsansätze festgehalten. Der Gemeinderat hat daraufhin die konkretere Ausarbeitung von Massnahmen in Auftrag gegeben. Diese Massnahmen werden nun ausgearbeitet und sukzessive, bereits ab diesem Jahr, umgesetzt. 

Gemeinde und Tourismusorganisation gehen dabei gemeinsam und aufeinander abgestimmt vor. 

Während SMAG mit kommunikativen Massnahmen auf Gäste und Einheimische einwirken will, bearbeitet die Gemeinde die Alltags- und reglementarischen Bereiche.

 Eine von der Gemeinde beauftragte Wohnraumanalyse wird im Verlaufe des Jahres Einblick in die heutige Wohnsituation geben und helfen, lenkende und vorbeugende Massnahmen wie eine Planungszone zu prüfen und zu konkretisieren. In den reglementarischen Bereich gehört die Überprüfung des Kurtaxenreglementes. Die täglichen Herausforderungen dürfen aber auch nicht ausser Acht gelassen werden.  

«Die Alltagsinfrastruktur muss mit den Bedürfnissen von Einwohnenden und Gästen Schritt halten, entsprechend müssen die Verfügbarkeit von Toiletten, die Gästelenkung sowie die Abfallentsorgung ständig überprüft und allenfalls angepasst werden», meint Jolanda Brunner. 

Die Spiez Marketing AG setzt Massnahmen für einen respekt- und verständnisvollen Umgang zwischen Gästen und Einheimischen um. Beispielsweise sollen Gäste, damit sie einen positiven Eindruck hinterlassen, über die hiesigen Gepflogenheiten informiert werden. «Wir wollen Gäste nicht an den Pranger stellen, sondern ihnen Verhaltenstipps mitgeben, damit sie einen reibungslosen Aufenthalt geniessen können», meint Seger. SMAG will zudem die lokale Bevölkerung für den Tourismus sensibilisieren. Es geht darum, den Einheimischen die positive Wirkung des Tourismus auf Spiez vor Augen zu führen und ihnen fremde Kulturen näher zu bringen. Damit wird das Verständnis für das Verhalten der Gäste und den Wirtschaftszweig Tourismus generell gefördert.